Ortsverband Karben-Niddatal

BUND-Waldspaziergang am Tag des Waldes

Der Himmel hatte ein Einsehen mit den Spaziergängern, die sich am internationalen Tag des Waldes eingefunden hatten, um sich unter der fachkundigen Leitung des Revierförsters Helmut Link auf den fast zweistündigen Weg durch den Karbener Wald zu machen. Das im Wetterbericht angekündigte Gewitter fand erst viel später statt.

Gleich am Grillplatz begann die Tour mit einer „dahergelaufenen“ Besonderheit:
Ein Hirschkäferweibchen, erkennbar an dem fehlenden Geweih, kreuzte den Weg.
Selbst der Förster bestätigte:“ In diesem Wald habe ich schon lange keinen Hirschkäfer mehr gesehen,“ deswegen erklärbar, weil der Wald, wie auch an diesem Sonntag Nachmittag deutlich zu sehen war, ein stark frequentierter Erholungswald ist, der für große und kleine Spaziergänger mit und ohne Hund, Walker, Mountainbiker und Fahrradfahrer gleichermaßen interessant ist. Bedauerlich bleibt nur, dass es immer noch etliche Hundebesitzer gibt, die ihren Vierbeiner verbotenerweise ganz ohne Leine mitnehmen in den Wald, der doch gerade jetzt in der Brut- und Setzzeit besonders anfällig für Störungen jeder Art ist .

Reiter dürfen den Wald nutzen, erfuhren die beiden Geschwister Alan (5) und Bert (7), aber nur wenn sie auf den befestigten Wegen bleiben. Wie dann wohl die frischen Pferdeäpfel auf einen Seitenpfad gekommen waren?

Dass in Brasilien gerade in den letzten zwei Monaten 593 Quadratkilometer Regenwald vernichtet wurden, erscheint bei nur circa 200 Hektar Waldfläche in Groß-Karben fast unvorstellbar, weshalb hier vor Ort im Forstfachjargong auch eher von einer großen Feldholzinsel gesprochen wird. Revierförster Link wies darauf hin, dass vor gut 2000 Jahren auch in der Wetterau alles bewaldet war, bevor erst die Kelten und dann die Römer große Flächen rodeten, um sie landwirtschaftlich zu nutzen. Diese Wälder waren vorzugsweise  Buchenwälder, eine Waldform, die in Europa auch heute noch nur hier in unseren Regionen zu finden ist. Deswegen werden deutschlandweit auch ganz aktuell Überlegungen darüber angestellt, dass noch mehr Buchenwälder als bisher unter Schutz gestellt werden sollten, der Groß-Karbener Wald aber nicht dazu gehört.

Die Bedeutung von Farbmarkierungen und Zahlen an den Bäumen und auf den zur Abholung am Wegrand aufgeschichteten Stämmen sind eine Art interne Kurzschrift. So kennzeichnen die blauen Querstriche die Rückegassen, in denen zwar die Harvester fahren dürfen, die aber sonst für den Publikumsverkehr gesperrt sind. Der schwarze Punkt kennzeichnet den Z-Baum = Zukunftsbaum, der, weil er besonders gut gewachsen ist, ein Baum sein wird, der erst sehr spät - nach ungefähr 200 Jahren – gefällt werden wird und besonders wertvoll sein wird, weswegen Holger Stegmann aus dem Z-Baum den“ Zaster-Baum“ machte.

Mit einem roten Dreieck werden die Bäume gekennzeichnet, die Biotopwert haben, also Bruthöhlen für den Specht oder Schlafplatz für Fledermäuse sind. Nur in der Nähe von Wegen, wenn Menschen wegen Bruchgefahr dieser Bäume gefährdet werden könnten, muss der Förster aus Gründen der gesetzlich notwendigen „Verkehrssicherungspflicht“ leider auch diese Bäume entfernen lassen.

Ähnlich ist es bei den Nummern: bei der 302 bedeutet beispielsweise die 3, dass es sich hier um die Baumart der Esche handelt. Die 2 steht für die Holzqualität und die 0 steht für den Käufer. Aus diesen Bäumen werden dann bald Stiele für Werkzeuge aller Art gemacht Stünde eine 1 am Anfang der Seriennummer, dann wäre die Holzart Buche; bei 2 wäre es Eiche.

Auch über Schädlinge wie den Borkenkäfer oder den Eichenprozessionsspinner wurde informiert und dass der junge Wald manchmal für kurze Zeit mit einem Zaun vor Verbiss geschützt werden muss, auch wenn Rehe sehr gerne frische, in Notzeiten auch alte Brombeerblätter fressen, weil sie stark eiweißhaltig sind.

Letzte Station des Rundweges war der große Teich, der zur Zeit aufgrund der andauernd warmen Witterung und dem Wassermangel nahezu komplett von Wasserlinsen bedeckt ist.

So blieb auch der Blick auf  Frösche und Kröten, aber auch auf die Goldfische und andere Exoten im Teich, die aus falsch verstandener Tierliebe hier ausgesetzt wurden und viel Schaden anrichten an der heimischen Tierwelt, versperrt.

Mit einer gemütlichen Runde am Grillplatz klang die Tour durch den Karbener Wald aus.

 

Ulrike Loos, Peter-Geibel-Str.5, 61184 Karben  Tel.: 06039-2883

 

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